| Besiegte bewachten die Sieger | |
| Kriegsende - Sieger triumphieren, Verlierer resignieren. Und die Kriegsgefangenen? Sie müssen ausharren, wie zum Beispiel die 278 Portugiesen im Offiziers-Gefangenenlager Breesen. | |
| Rückblick: Im Sommer 1918 hatte
sich der Kriegsverlauf an der Front in Frankreich gegen das Deutsche
Kaiserreich gewendet. Die amerikanischen Truppen, die seit Mitte 1917
auf alliierter Seite mitkämpften, kamen jetzt voll zur Wirkung. Einige
amerikanische Politiker nahmen sich das kleine Portugal zum Vorbild
.Wenn die Portugiesen sich mit großen Opfern am Krieg gegen die
Deutschen beteiligten, dürften die USA sich nicht drücken, sagten sie.
Sie überzeugten die amerikanische Öffentlichkeit von der Notwendigkeit
des Kriegseintritts auf alliierter Seite. Ob Kaiser Wilhelm II das
geahnt hat, als er 1915 leichtfertig Portugal den Krieg erklärte? Im
Oktober 1918 stand die portugiesische Frankreich-Armee schon weit in
Belgien. Die deutschen Truppen waren auf , dem Rückzug. Am 11. November
1918 kapitulierte Deutschland, der Kaiser ging ins Exil nach Holland.
Im Lager Breesen änderte sich für die 278 portugiesischen Gefangenen wenig. Sie gehörten zwar jetzt zu den Siegern - aber wie sollten sie nach Hause kommen? Züge konnten wegen Mangel an Kohlen kaum noch fahren. Die Bahnlinien in Belgien, Nord- und Ostfrankreich waren weitgehend zerstört. Bei Schiffstransporten gingen die anderen Alliierten vor. Die 278 Portugiesen blieben also noch einen Winter länger in Breesen. Sogar die Bewachung wurde fortgesetzt - die Besiegten bewachten die Sieger des Krieges.... Erst im März 1919 wurden die Gefangenen nach Hause gebracht, per Bahn über Ratzeburg, wie sie einst nach Breesen gekommen waren. Eine Liste im Militärhistorischen Archiv des Verteidigungsministeriums in Lissabon beweist: Alle Portugiesen aus dem Lager Breesen kehrten wohlbehalten in ihr Land zurück. Erst jetzt konnten die |
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Portugiesen ihre Rückkehr feiern. Viele von ihnen nahmen am 14. Juli 1919 an der Siegesparade am Pariser Triumphbogen teil. Die Zeit der Gefangenschaft im mecklenburgischen Breesen war zu einer nicht erfreulichen, aber doch erträglichen Episode in ihrem Leben geworden. Die portugiesische Regierung saß bei den Verhandlungen von Versailles mit am Tisch auf Seiten der Sieger. Groß waren die Erwartungen in der Heimat. Portugal erhoffte sich einen ansehnlichen Anteil an der Kriegsbeute. Immerhin hatte Portugal 30 000 Männer auf den Schlachtfeldern geopfert - das entspricht vier Prozent der männlichen Bevölkerung |
| Siegesparade portugiesischer Truppen 1919 in Paris. Ehemalige Gefangene aus Breesen nahmen daran teil. Foto: Garcez | zwischen 18 und 30 Jahren. Portugal spekulierte auf deutsche Kolonialgebiete, die direkt an die portugiesischen Besitzungen Angola und Mocambique angrenzten, |
| nämlich Deutsch-Südwestafrika
(heute Namibia) und Tanganyika (heute Tansania). Aber seine Verbündeten
teilten die deutsche Beute unter sich auf.
Portugals Öffentlichkeit war wütend. Man fühlte sich von den Verbündeten gedemütigt und betrogen. Die Presse attackierte die eigene Regierung, nicht hart genug verhandelt zu haben. Mit dem schlechten Ergebnis des Versailler Vertrages besiegelte die republikanisch-sozialistische Regierung ihren eigenen Untergang. 1926 wurde Portugal zur Diktatur, die bis 1974 andauerte. Immerhin war Portugals Machthaber Antonio de Oliveira Salazar klug genug, das Land aus dem Zweiten Weltkrieg herauszuhalten. Portugal könnte -egal auf welcher Seite - nur wieder verlieren, sagte Salazar und rettete seine Diktatur damit über 1945 hinaus. |
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