| Gefangenschaft mit Spannungen | ||
| Das Offiziers-Gefangenenlager Breesen stand unter dem Kommando des Majors der Reserve von Lunstedt. Sein Vertreter war Major der Reserve Amboss. Sie gehörten zum IX. deutschen Armeekorps unter Generalmajor von Oertzen. | ||
Die 261 gefangenen portugiesischen Offizieren hatten zu etwa zwei Dritteln dem niedrigsten Offiziersrang der portugiesischen Frankreich-Armee. Sie waren Alferes, vergleichbar dem deutschen Rang eines Fähnrichs. Viele waren Studenten, die in Schnellkursen aus gebildet und an die Front in Nordfrankreich geschickt wurden. Sie gehörten meist zur kommenden Elite des Landes - ein Umstand, der sich auch in Breesen noch auswirken sollte. Ranghöchste Gefangene waren zwei Oberste: Felisberto Alves Pedrosa, Kommandeur des Infanteriebataillons Nr. l, und Diocleciano Augusto Martins vom 6. Garderegiment Lissabon. Vier Gefangene waren Oberstleutnant. Auch Ärzte gehörten zu den Gefangenen, so dass die medizinische Versorgung im Lager keine Probleme bereitete. Was fehlte, war ein Priester. Ab und zu durften einige Gefangene unter Aufsicht mit der Kleinbahn nach Ratzeburg fahren. Dort gab es eine katholische Kirche. Die Messe dort war dem Gottesdienst in der portugiesischen Heimat sehr ähnlich. |
![]() |
|
| Zwei deutsche Soldaten (vorn) in
portugiesischer Gefangenschaft. Das Bild entstand während des Ersten
Weltkrieges. Fotos: Clich’e Garcez/Militärmusum Lissabon
| ||
|
Das Verhältnis zwischen der deutschen Wachmannschaft und den
Gefangenen wird als gut beschrieben. Ein deutscher Unteroffizier
berichtete 1920: "Wir Deutschen und die Portugiesen haben uns immer
sehr gut verstanden. Auf beiden Seiten gab es keinen Hass, wie zum
Beispiel zwischen Deutschen und Franzosen.... Franzosen zu bewachen,
war genauso schwer wie im Schützengraben zu liegen. Aber die
Portugiesen - alles gute Leute. Es gab nur einen Fluchtversuch, von dem
wir kein Aufsehen machten, denn die Flüch- |
|
| Der portugiesische General Fernando Tamagnini | ||
|
Vor allem ermahne ich die Herren Offiziere, den Soldaten im Arbeitsdienst ein Beispiel zu geben und ihnen zu helfen, die Widerspenstigkeit zu zähmen. " Ein anderes Problem war der Postdienst. Der Oberbefehlshaber der portugiesischen Front in Frankreich, General Fernando Tamagnini, bat das Rote Kreuz in Portugal, für die Gefangenen einen Briefdienst zu vermitteln. Das gelang schließlich über das Schweizerische Rote Kreuz. Die Briefe aus dem Lager Breesen wurden von den Deutschen gründlich gelesen und zensiert, im Falle der Unbedenklichkeit über das Postamt Roggendorf zur Schweizer Grenze geschafft und dort dem Roten Kreuz übergeben. Weiter ging es durch die Schweiz, Frankreich und Spanien nach Portugal. Päckchen waren verboten. Um dem öden Alltag im Gefangenenlager Breesen zu entgehen, meldeten sie einige Offiziere freiwillig zur Arbeit in der Landwirtschaft oder im Breesener Moor zum Torfstechen. Ihnen winkte ein besseres Essen aus der Gutsküche des Roggendorfer Gutsbesitzers Curt von Haase und ab und zu eine bewachte Fahrt mit der Kleinbahn nach Ratzeburg. |
||
| weiter | ||